Sunday, April 6, 2014

Sagrada Familia: Todesangst für 4,50 Euro

Sagrada Familia mit Park

Über Baustellenwitze à la Berliner Flughafen oder Elbphilharmonie in Hamburg kann man in Barcelona wohl nur müde lächeln, mit dem Bau der Sagrada Familia wurde immerhin 1882 begonnen und die Basilika ist bis heute nicht fertig. Das an der imposanten Kirche der Barcelona-Allesbauer Antoni Gaudí mitgewerkelt hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Da ich ehrlich gesagt von Architektur keine Ahnung habe, werde ich mich hier nicht zu fachlichen Bewertungen hinreissen lassen. Wäre ja auch albern. Mein Erlebnisbericht ist also (eigentlich wie immer) streng subjektiv und frei von Fachwissen. Dafür aber mit nützlichen Extras und einer nicht untragischen Nahtoderfahrung

Sagrada Familia Eingang

Das man Karten im Internet kaufen kann und sich damit langes Anstehen erspart, war schon ein nicht ganz unwichtiger Hinweis. Tatsächlich waren wir um 9 da (da öffnen die heiligen Hallen) und selbst am "Hurra-wir-haben-vorbestellt" Check-In war eine Schlange. Dennoch war es (verglichen mit nur einer Stunde später) geradezu leer und man konnte auch mal ein Foto machen auf dem (kaum) ein anderer Tourist zu sehen ist. Das Online-Ticket hat 19 Euro pro Person gekostet.

 Fenster Sagrada Familia
Hola, die Waldfee. Die Mosaikfenster sind natürlich immens beeindruckend. Wir hatten leider Pech mit dem Wetter, es wäre sicher noch schöner gewesen, wenn dadurch tatsächlich die Sonne geschien hätte (die konnte man nur leider nicht vorbestellen). Kleiner Tipp: Im Hochsommer ist es in der Sagrada Familia sicher angenehm kühl. Wir hatten (Anfang April) an dem Tag draußen grade mal 14 Grad und drinnen in der Kirche waren es sicher nur 8 oder 9. Ich hab also gut gefroren.

 Altar Sagrada Familia
Die Basilika ist schon besonders, ganz klarer Fall. Für meinen Geschmack war es alles etwas zu modern und zu hell. Ich bin bei Kirchen (und ich besichtige gerne Kirchen, wie z.B. die St.Stephans-Basilika in Budapest) extrem altmodisch, die müssen dunkel sein und es müssen Kerzen brennen und ich muss gegen eine Spende auch eine anzünden dürfen. Ich bin weder katholisch noch Mitglied in der Kirche, aber bei Kirchen bin ich wirklich päpstlicher als der Papst. Obwohl dem die Basilika wohl gefallen hat, sonst hätte er sie 2010 nicht zur Basilica Minor geweiht (Benedikt XIV).


Sagrada Familia Deckengewölbe              
Dieses Foto gehört auch zu den klassischen Motiven in der Sagrada Familia, mich hat der Innenraum ein bisschen an einen Brustkorb mit Rippen erinnert. Eigentlich sollen aber Bäume symbolisiert werden. Statisch ist das Ganze ein echtes Meisterwerk. Das sag nicht ich, sondern die Reisebegleitung, der war auch im Gaudí-Museum der Sagrada Familia enorm angetan von den ganzen Modellen und Berechnungen des Meisters.

Barcelona Sagrada Familia
Ich bin mal so kühn zu behaupten, ein solches Foto bekommt keiner von Euch hin ;) Nicht weil es so toll ist, aber es ist wirklich niemand im Bild zu sehen. Wer von Euch demnächst in Barcelona ist, accept the challenge!


 Sagrada Familia Mosaikfenster
Nochmal, weil es so schön ist: Die Mosaikfenster.


Sagrada Familia Nativity Tower

Und für alle, die sich spätestens hier fragen: Und was ist nun mit Todesangst? Achtung, die kommt jetzt! In den vorbestellten Tickets hab ich natürlich gleich mal eine Fahrt auf einen der Türme mitgebucht, ansonsten kostet die Auffahrt mit dem Fahrstuhl 4,50 Euro. Und man muss sich entscheiden, ob man seitens der Nativity oder Passion Façade nach oben möchte.

Sagrada Familia: Nativity oder Facade Tower? 

In diesem Fall hatte ich mich für den Nativity Tower der Sagrada Familia entschieden. Ich hatte recherchiert, dass der Blick von dort schöner ist und das es von der Brücke, die zwei der Türme verbindet, spannendere Einblicke auf die Fassade gibt (barocke Darstellungen von Tieren und Pflanzen). Außerdem hat Gaudí die Nativity Façade noch selbst fertiggestellt.

Leider hab ich auf der Brücke erstmal eine schöne Panikattacke bekommen. Vorher hab ich aber (ganz die Journalistin) noch ein Foto gemacht. Danach war aber erst mal Essig mit Fotografieren. Wirklich ein bisschen absurd die Situation. Ich habe latente Höhenangst und alle Jubeljahre kriege ich dann auch mal eine klassische Panikattacke. Das letzte mal interessanterweise auch auf einer Kirche, nämlich auf dem Kölner Dom. Da stand ich allerdings mit dem Dombaumeister direkt auf dem Dach. Rechts und links: Nada! Ein einmaliges Erlebnis. Das hab ich mir damals auch versucht einzureden, aber Angst ist nicht rational.

Auf dem Nativity Tower, genau: der Brücke, hatte ich zwar rechts und links eine Wand und der Überweg war auch oberhalb der Mauer verdrahtet, aber irgendwie war mir das nicht geheuer. Und das obwohl die Höhe dort mit ca. 60 Metern doch vergleichsweise niedlich ist. An Aussicht war nicht mehr zu denken, es half alles nix, ich musste da runter. Das bin ich dann auch. Langsam. Verdammt langsam. Der Weg hinab führt über eine Spiraltreppe ca. 400 Stufen nach unten. 400 Stufen die echt lang werden können, wenn deine Knie zittern wie sonstwas. 


Sagrada Familia Nativity Staircase

Das Foto hab ich natürlich nicht selbstgemacht (ich war damit beschäftigt mich an das Geländer zu klammern). Netterweise hat meine Reisebegleitung es zur Verfügung gestellt. 

Ausgang Nativity Tower Sagrada Familia
Die Erlösung in Form des Ausgangs.

Und ihr habt's auch geschafft ;) Mittwoch dann alles zu Super-Tapas in Poble Sec!

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